Selbstfürsorge
Trauer ist auch körperlich
Trauer ist nicht nur ein emotionaler Schmerz – sie ist eine ganzheitliche Belastung für Körper, Geist und Nervensystem. Viele Menschen erleben in der Zeit nach einem Verlust:
- Schlafstörungen
- Erschöpfung
- Konzentrationsprobleme
- Appetitveränderungen
- erhöhte Reizbarkeit
- innere Unruhe oder Leere
- Verspannungen
Die moderne Trauerforschung zeigt deutlich:
Selbstfürsorge ist kein Luxus – sie ist ein zentraler Bestandteil gesunder Trauerbewältigung.
Warum Pausen heilsam sind
Ein wichtiger Ansatz der modernen Trauerforschung ist das sogenannte Duale Prozessmodell.
Dieses Modell beschreibt, dass gesunde Trauer zwischen zwei Polen pendelt:
- Verlustorientierung
→ Schmerz zulassen, Erinnern, Weinen, Vermissen - Wiederherstellungsorientierung
→ Ablenkung, Alltag bewältigen, neue Rollen finden, Erholung erleben
Heilung entsteht nicht durch dauerhaften Schmerz, sondern durch ein natürliches Hin- und Herpendeln zwischen Konfrontation und Pause.
Das bedeutet:
Wenn du zwischendurch lachst, dich ablenkst oder einen guten Moment erlebst, verrätst du den Verstorbenen nicht. Du folgst einem gesunden inneren Rhythmus.
Warum der Körper Ruhe braucht
Psychologische und neurobiologische Erkenntnisse zeigen, dass Trauer das Stresssystem stark aktiviert. Der Verlust eines geliebten Menschen wird vom Körper ähnlich verarbeitet wie ein Trauma.
Typische körperliche Reaktionen sind:
- erhöhter Cortisolspiegel
- Verspannungen
- flacher Atem
- erhöhte Alarmbereitschaft
- Energiemangel
Selbstfürsorge hilft, das Nervensystem zu regulieren. Unterstützende Maßnahmen können sein:
- bewusste Atemübungen
- sanfte Bewegung wie Spaziergänge im Wald
- regelmäßige Schlafzeiten
- warme Bäder oder beruhigende Abendrituale
- das bewusste Entzünden einer Trauerkerze als Signal der Ruhe
Diese kleinen Rituale senden dem Körper die Botschaft:
Ich bin sicher. Ich darf loslassen.
Selbstfürsorge ohne Schuldgefühle
Viele Trauernde erleben Schuldgefühle, wenn sie:
- lachen
- Freude empfinden
- sich ausruhen
- etwas Schönes tun
Doch moderne Trauerbegleitung betont:
Freude und Trauer können gleichzeitig existieren.
Selbstfürsorge bedeutet nicht, den Verlust zu verdrängen.
Sie bedeutet, genug Kraft zu sammeln, um ihn tragen zu können.
Selbstfürsorge ist Teil der Liebe
Trauer ist der Preis der Liebe.
Selbstfürsorge ist die Art, wie wir diese Liebe in uns weitertragen.
Indem du dich um deinen Körper, deine Gefühle und dein Nervensystem kümmerst, schaffst du die Grundlage dafür, dass Heilung möglich wird – in deinem Tempo, auf deinem Weg.
Wann Selbstfürsorge allein nicht ausreicht
Wenn trotz längerer Zeit:
- tiefe Hoffnungslosigkeit dominiert
- keine positiven Momente mehr möglich sind
- starker sozialer Rückzug besteht
- das Leben sinnlos erscheint
kann eine anhaltende Trauerstörung vorliegen. In solchen Fällen ist professionelle Hilfe durch Trauerbegleitung oder Psychotherapie wichtig und sinnvoll.
Unterstützung anzunehmen ist ein Zeichen von Verantwortung – nicht von Schwäche.



